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Tantra
ist eine Rebellion. Ich nenne Tantra nicht revolutionär, denn es
ist nicht politisch. ... es ist keine Strategie zur Veränderung von
Staat und Gesellschaft. Tantra ist rebellisch, es ist eine Rebellion des
Individiums. Ein einzelner Mensch löst sich von den Strukturen und
entkommt der Sklaverei. Aber in dem Moment, wo du der Sklaverei entschlüpfst,
erlebst du eine völlig andere Art der Existenz, eine Existenz, die
du noch nie gespürt hast, es ist so als ob du eine Binde vor den
Augen hattest, die plötzlich abfällt. Du öffnest die Augen,
und du kannst plötzlich eine ganz andere Welt sehen.
Diese Augenbinde ist das, was ihr euren Verstand nennt, eure Gedanken,
eure Vorurteile, eure Kenntnisse, eure heiligen Schriften - all das fügt
sich zusammen zu einer dicken Augenbinde. Sie halten euch im Dunkeln,
sie machen euch dumpf, sie hindern euch daran, lebendig zu sein.
Tantra
möchte, dass du lebendig bist - so lebendig wie die Bäume, so
lebendig wie die Flüsse,
so lebendig wie die Sonne und der Mond. Das ist dein Geburtsrecht. Wenn
du deine Lebendigkeit verlierst, gewinnst du nichts, du verlierst alles.
Und wenn du alles opferst, damit du lebendig sein kannst, verlierst du
in Wahrheit nichts.
Ein einziger Moment der Freiheit ist ein ganzes Leben wert, und ein langes
Leben von hundert Jahren unter dem Sklavenjoch ist ein vergeudetes Leben.
Wer in der Welt des Tantra leben will, braucht Mut, denn Tantra ist abenteuerlich.
...
Tantra bietet eine andere Perspektive. Es ist nicht revolutionär,
es ist rebellisch. Rebellion ist individuell. Du kannst alleine rebellieren,
du brauchst dafür keine Partei zu gründen. Du kannst allein
rebellieren, ganz für dich allein. Merkt euch, Rebellion bedeutet
nicht Kampf gegen die Gesellschaft, sie geht einfach über die Gesellschaft
hinaus. Rebellion ist nicht anti-sozial, sie ist asozial. Sie hat mit
der Gesellschaft nichts zu tun. Sie ist für die Freiheit, für
die Freiheit, so zu sein, wie du bist.
Schau dir dein Leben einmal an. Bist du ein freier Mensch ? Du bist es
nicht : tausend Fesseln halten dich gefangen. Du willst sie nicht sehen,
du magst sie nicht wahrhaben - sie sind dir sehr peinlich, denn das tut
weh, aber es ändert an der Situation nichts. Du bist ein Sklave.
Wenn du in die Welt des Tantra eintreten willst, musst die die Tatsache
deiner Unfreiheit anerkennen. Sie sitz sehr tief. Sie muss überwunden
werden, und wenn du sehen kannst, dass du unfrei bist, dann fällt
es dir leichter, deine Unfreiheit abzuschütteln.
Höre auf damit, dir etwas vorzumachen, höre auf dich zu trösten,
höre auf damit, dir ständig einzureden "Es ist doch alles
okay !" Es ist nicht so. Nichts ist okay, dein ganzes Leben ist nichts
weiter als ein Albtraum. Schaue es dir doch mal genau an ! Es gibt keine
Poesie und keinen Gesang und keinen Tanz und keine Liebe und kein Gebet.
Es gibt keine Ekstase. Freude ? - ist nur ein Wort im Wörterbuch.
Seligkeit ? - ja, du hast davon gehört, aber du hast keine Ahnung
davon. Gott ? - in den Tempeln, in der Kirche. Ja, die Leute reden von
ihm, aber wer von Gott redet, weiss nicht, wovon er redet. Und diejenigen,
die von ihm hören, wissen ebensowenig. Alles Schöne scheint
bedeutungslos, und alles, was keine Bedeutung hat, erscheint als sehr,
sehr wichtig. Der Mensch ist ständig damit beschäftigt, Geld
zu scheffeln, und er bildet sich ein, dass er etwas äusserst wichtiges
tut. Die Dummheit des Menschen kennt keine Grenzen.
Tantra sagt: du trägst das Bild einer Frau in dir, du
trägst das Bild eines Mannes in dir. Jeder Mann hat eine Frau in
sich, und jede Frau hat einen Mann in sich. Sobald jemand deinem inneren
Bild entspricht, verliebst du dich - das versteht man unter Liebe. Ihr
versteht es nicht. Ihr zieht ratlos die Schultern hoch und sagt : "Es
ist eben einfach passiert." Aber es gibt da einen ganz subtilen Mechanismus.
Warum passiert es gerade mit dieser Frau ? Warum nicht mit einer anderen
? Weil das Bild in dir nur auf diese eine Frau passte, deshalb. Die äussere
Frau entspricht irgendwie dem Bild deiner inneren Frau. Irgendetwas passt
da zusammen, und du fühlst, "das ist meine Frau" oder "das
ist mein Mann". Dieses Gefühl ist das, was man unter Liebe versteht.
Aber die äussere Frau wird dich nicht erfüllen, denn keine äussere
Frau entspricht letztlich vollkommen deiner inneren Frau.
Die Realität ist einfach nicht so. Vielleicht passt sie ein bischen
- es gibt eine gewisse Faszination, eine Anziehungskraft, aber das wird
früher oder später nachlassen. Schon bald wirst du feststellen,
dass es tausend Dinge gibt, die dir an der Frau nicht gefallen. Es ist
nur eine Frage der Zeit, bis du das herausfindest.
Am Anfang bist du ganz vernarrt. Die Ähnlichkeit mit dem Bild, das
du in dir trägst, überwältigt dich. Aber ganz allmählich
wirst du tausend Dinge entdecken - Kleinigkeiten im Alltag, die nicht
passen, und du wirst erkennen, dass ihr einander fremd seid. Ja, du liebst
sie immer noch, aber die Liebe ist keine Leidenschaft mehr; die romantische
Vorstellung verschwindet. ...
Was schlägt Tantra vor ? Was muss getan werden ?
Tantra sagt: Es ist unmöglich, das Glück draussen zu finden;
du musst nach innen gehen. Du musst deine innere Frau oder deinen inneren
Mann finden und die sexuelle Verschmelzung mit deinem Inneren suchen.
...
Das erste, muladhar, ist im Mann männlich. Tantra rät dir :
erinnere dich an deine innere Frau sogar dann, wenn du dich mit der äusseren
Frau vereinigst. Mache Liebe mit der äusseren Frau und denke dabei
an die innere. Richte deine Bewusstheit nach innen und vergesse die äussere
Frau vollkommen. Im Augenblick des Orgasmus vergesse den Mann oder die
Frau vollkommen. Schliesse die Augen, sei innen und mache eine Meditation
daraus. Verpasse die günstige Gelegenheit nicht, wenn die Energie
erwacht. Das ist der Augenblick für die Begegnung - für eine
Reise nach innen. Normalerweise ist es schwer, nach innen zu schauen.
Aber im Liebesmoment ist eine Lücke, und du bist nicht mehr so, wie
du sonst bist. In einem Liebesmoment bist du ein Maximum. Wenn der Orgasmus
kommt, pulsiert deine ganze körperliche Kraft in einem Tanz ; jede
Zelle, jede Faser deines Körpers tanzt in einem Rhytmus, in einer
Harmonie, die du im normalen Leben nicht kennst. Das ist der Augenblick
: dieser Augenblick der Harmonie - nutze ihn als ein Tor nach innen. Wenn
du Liebe machst, werde meditativ, schaue nach innen.
In diesem Augenblick öffnet sich eine Tür. Das ist die Tantra-Erfahrung.
Eine Tür öffnet sich in diesem Augenblick, und Tantra sagt,
dass du nur deshalb glücklich bist, weil sich diese Tür geöffnet
hat und dir deine innere Glückseligkeit entgegenströmt. Das
Glück kommt nicht von der äusseren Frau. Es kommt nicht von
dem äusseren Mann; es kommt von deinem innersten Kern. Das Äussere
ist nur ein Vorwand.
Tantra sagt nicht, dass man sündigt, wenn man mit der äusseren
Frau oder dem äusseren Mann schläft, es sagt nur, dass dieser
Akt nicht sehr weit führt. Es verurteilt ihn nicht, es akzeptiert
seine Natürlichkeit. Aber es sagt auch, dass du dich von dieser Liebeswelle
tief nach innen tragen lassen kannst. In diesem Augenblick höchster
Erregung scheint die Schwerkraft aufgehoben : du kannst fliegen. Der Pfeil
kann den Bogen zum Ziel führen.
Wenn du beim Liebesakt meditativ wirst, wenn du still wirst, wenn du deine
Augen schliesst und nach innen schaust, wenn du die äussere Frau
oder den äusseren Mann vergisst - dann geschieht es. Das muladhar,
dein männliches inneres Zentrum, bewegt sich auf das weibliche Zentrum
swadhistan zu - und dann kommt es zu einem inneren Liebesakt.
Manchmal ereignet es sich und du merkst es gar nicht. Bisher kanntet ihr
die innere Tantra-Landkarte nicht. Jetzt werde ich sie euch geben. Ein
Sanyassin schrieb, dass er ständig das Gefühl hat, sich in einem
Orgasmus aufzulösen. Sein ganzer Körper fängt an zu pulsieren,
und es fühlte sich für ihn so an, als ob er mit einer Frau schlafe.
Natürlich ist er ganz verwirrt. Das Glück ist so überwältigend,
dass ihm angst und bange wird :
Was ist los ? Was passiert da in ihm?
Ganz einfach: Muladhar vereinigt sich mit Swadhistan, dein männliches
Zentrum vereinigt sich mit deinem weiblichen Zentrum. Du erfährst
das Glück, das sich einstellt, wenn du in Meditation gehst, wenn
du ins Gebet gehst. Dies ist der Mechanismus deiner inneren Lebensfreude.
Und in dem Augenblick, da sich muladhar und swadhistan vereinigen, wird
die Energie freigesetzt. Wenn du deine Frau liebst, wird Energie freigesetzt,
und so ist es auch, wenn sich muladhar und swadhistan vereinigen : Energie
wird freigesetzt, und diese Energie trifft auf das höhere Zentrum,
Manipura. .... OSHO |